S-Bahn Hamburg - Ein Blick hinter die Kulissen

Für die Organisation des Betriebs sind bei der S-Bahn Hamburg täglich rund 1.200 Mitarbeiter im Einsatz. Wir gewähren einen Blick hinter die Kulissen der unterschiedlichen Berufe und Einsatzorte in dem Verkehrsunternehmen.

Ein Blick in die Halle des Instandhaltungswerks Ohlsdorf.

Das S-Bahn Instandhaltungswerk Ohlsdorf - geprüft und gewartet

Im Werk Ohlsdorf werden alle Instandhaltungsarbeiten an den Fahrzeugen vorgenommen. Hier muss sich jeder S-Bahn-Wagen in regelmäßigen Abständen einer genauen Prüfung und Wartung unterziehen, bevor es wieder ins S-Bahn-Netz geht. Während des Aufenthalts im Instandhaltungswerk werden beispielsweise Laufwerkskontrollen, Bremsprüfungen und Fahrmotorentests durchgeführt. Verschleißteile wie Luftfilter, die Kohlebürsten der Fahrmotoren oder die Schleifstücke der Stromabnehmer werden vor Ort entfernt und entsprechend ersetzt.

Natürlich werden auch die für den Fahrgast offensichtlicheren Bereiche instandgehalten: Das Austauschen und Reparieren von defekten Sitzen und Fenstern gehört ebenso zum Tagesgeschäft wie kleinere und größere Lackierarbeiten sowie die Beseitigung von Vandalismusschäden.

In der großen Werkshalle ermöglichen unterschiedliche Arbeitsebenen und leistungsstarke Drehgestell-Hebebühnen einen leichten Zugang zu allen Seiten des Zuges - egal, ob auf dem Dach oder an der Unterseite des Fahrzeuges gearbeitet werden muss.

Stellwerk Elbgaustraße - Auf einer Tafel ist die gesamte Strecke übersichtlich dargestellt.

Die Stellwerke - Weichen und Signale

Stellwerke sind ortsfeste Bahnanlagen und Steuerzentralen für Weichen und Signale. Treten außerplanmäßige Fahrplanabweichungen oder Störungen im Bahnbetrieb auf, sind die Fahrdienstleiter der Stellwerke besonders gefragt. In Absprache mit der Betriebs- und Servicezentrale werden die entsprechenden Züge disponiert, um den Regelbetrieb schnellstmöglich wieder aufnehmen zu können.

Im Bereich des Stellwerks "Hhs" am Hamburger Hauptbahnhof werden die meisten Zugfahrten durchgeführt. Der Stellbereich dieses Stellwerks umfasst rund 14 Kilometer Strecke (vier davon im Tunnel) mit neun Stationen (fünf davon im Tunnel), 70 Weichen und 156 Signalen. Hier werden täglich etwa 1.100 Zugfahrten verzeichnet. In den Hauptverkehrszeiten sind sechs S-Bahn-Linien in beiden Richtungen im Zehn-Minuten-Takt unterwegs, das sind bis zu 72 Zugfahrten in der Stunde. Alle 45 Sekunden fährt eine S-Bahn in den Hamburger Hauptbahnhof ein.

Im Hamburger S-Bahn-Netz gibt es insgesamt 17 Stellwerke - das älteste stammt noch aus dem Jahr 1921, das jüngste ist seit 2008 in Betrieb. Obwohl die Funktionen aller Stellwerke vor Ort gleich sind, ist die Technik, die dahintersteckt und bedient werden muss, teilweise sehr unterschiedlich.

Einblick in die Räumlichkeiten der BSZ in Hammerbrook

Die Betriebs- und Servicezentrale (BSZ) - hier laufen alle Informationen zusammen

Im November 2013 ist die Betriebs- und Servicezentrale aus dem Hamburger Stadtteil Altona nach Hammerbrook gezogen. Im Rahmen des Neubaus entstand hier für die S-Bahn Hamburg eine der modernsten Leitstellen Deutschlands.

In der BSZ sorgen Tag und Nacht rund 90 Mitarbeiter im Schichtdienst, an 18 Arbeitsplätzen, mit 187 Monitoren, für einen reibungslosen Ablauf bei den etwa 1.200 Zugfahrten täglich. Dies geschieht mit Hilfe eines rechnerbasierten Informations- und Meldesystems (IMS), mit dem alle notwendigen Betriebsdaten in Echtzeit übertragen werden können. Mit dieser modernen Technik erfolgt die Koordination und Überwachung des umfangreichen Fahrbetriebs , der von 440 Triebfahrzeugführern, 140 Fahrdienstleistern in 17 Stellwerken sowie 291 Zuganzeigern innerhalb des Hamburger S-Bahn-Netzes aufrechterhalten und kommuniziert wird.
Das System aktualisiert die Fahrgastinformationen auf den Zuganzeigern und automatisiert die Anschlusssicherung zu den Bussen im Hamburger Verkehrsverbund. Neben einer grafisch unterstützten Zug- und Fahrzeugdisposition verfügt das Leitsystem IMS auch über umfangreiche Prognose- und Simulationsmodi, mit denen die Mitarbeiter eine vorausschauende Disposition veranlassen und einen 90-minütigen Ausblick in die Zukunft simulieren können.

Im Störungsfall entscheidet die Betriebs- und Servicezentrale über Maßnahmen zur Weiterführung des Betriebes und Information der Fahrgäste. Hier zählt jede Sekunde, denn schnelle Abstimmungen sind notwendig, um die negativen Auswirkungen für die 277 Mio. Fahrgäste jährlich zu minimieren und möglichst schnell zum fahrplanmäßigen Tagesgeschäft zurückzukehren. Das ist vor allem im Fahrtakt der Hauptverkehrszeiten eine herausfordernde Aufgabe, denn die Störungen sollen sich möglichst nicht auf Folgezüge auswirken, damit eine Anschlusssicherung weiterhin gewährleistet werden kann.
Tatkräftig unterstützt werden die Mitarbeiter in der BSZ durch die Kollegen der Zentralen Aufsicht und Servicezentrale (ZAS), deren Aufgabe es ist, die Fahrgastkommunikation nicht nur bei regulärem Verkehr aufrechtzuerhalten, sondern auch bei angespannter Betriebslage oder abweichenden Fahrplänen alle wichtigen Informationen über die Bahnsteiglautsprecher zu übermitteln.

In der Servicezentrale können die Mitarbeiter im Gefahrenfall auch das Anhalten einzelner Züge veranlassen; über den Zugfunk erreichen sie die Triebfahrzeugführer im gesamten Streckennetz. Die Kundenbetreuung über die Notruf- und Informationssäulen, von denen in jeder Haltestelle mindestens eine zu finden ist, gehört ebenfalls zu diesem Bereich. Zudem ermöglicht ein umfangreiches Kamerasystem, bestehend aus über 1000 zoom- und schwenkbaren Videokameras, die Beobachtung aller sicherheitsrelevanten Bereiche an den Stationen. Davon ist über die Hälfte für die Triebfahrzeugführerselbstabfertigung im Einsatz. Dank dieser Kamerapräsenz kann nicht nur die frühzeitige Erkennung und Beseitigung von Vandalismusschäden unterstützt, sondern auch in Gefahrensituationen gezielt Wach- und Sicherheitspersonal gerufen und eingesetzt werden.